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Classical Organ Trio

Neben der schieren Anzahl solcher „big names“ überrascht die stilistische Bandbreite dieser Trophäensammlung: Da tummeln sich Swinglegenden zwischen den Klassikern des Modern Jazz und den Avantgardisten aus Third Stream und Postbop. Aber selbst damit ist Keith Copelands Können noch längst nicht erschöpfend beschrieben. Auch im Popbusiness hat der Schlagzeuger seine Spuren hinterlassen. Als Stevie Wonder 1972 mit den Rolling Stones auf Wonderlove-Tournee ging, ließ Copeland die Trommelfelle krachen."

Classical Organ Trio
with Keith Cpopeland (drums), Jean-Yves Jung (organ) & Wesley G. (guitar)

Keith Copeland

Wie eine universelle Rhythmusmaschine scheint er sämtliche Grooves dieser Welt auf Knopfdruck abrufen zu können. Dabei ist er beileibe kein lebloser Automat. Ganz im Gegenteil: Der Mann sprüht vor Temperament und Begeisterungsfähigkeit. Für ihn gibt es nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte. Sicher, das behaupten viele, aber Copeland weiß, wie man sie auseinanderhält: „Man hört nur mit dem Herzen gut“, meint Keith Copeland.

1992 spielte Keith Copeland seine erste Platte unter eigenem Namen mit Kenny Barron (Piano), Mark Kirk (Saxophon) und Mike Richmond (Bass) ein. Sein Debut als Leader war gleichzeitig eine Art Abschied von Amerika, denn den Schlagzeuger zog es nach Good Old Europe, genauer nach Deutschland, noch genauer nach Frankfurt, wo er heute lebt.

Aber fangen wir ganz vorne an zu erzählen, nämlich bei Keith Copelands Elternhaus. Es steht im New Yorker Stadtteil Queens, also mitten im Zentrum des Jazzgeschehens, und das nicht nur im räumlichen Sinn. Keiths Vater ist der Trompeter Ray Copeland, der mit vielen Berühmtheiten seiner Zeit spielt: z. B. mit Lionel Hampton, Oscar Pettiford, Ella Fitzgerald, Thelonious Monk oder Art Blakey - und vor allem der hat es dem jungen Keith Copeland angetan. Es sind die fünziger Jahre, und viele junge Musikfans lassen sich durch Art Blakeys feuriges Schlagzeugspiel für das Instrument begeistern. Keith Copeland hat ihnen aber eines voraus: Er kennt sein Idol persönlich.

Nicht nur in Art Blakeys Big Band spielt Ray Copeland mit dem berühmten Schlagzeuger. Mitte der 50er Jahre treffen sich die beiden in Thelonious Monks Quintett wieder, u.a. mit Art Blakey am Schlagzeug und Ray Copeland an der Trompete. Kein Wunder bei einem so musikalischen Vater, dass auch Keith Copeland schon in jungen Jahren auf den Musiktrip kommt. Zwar ist Vater Ray zu sehr mit seiner eigenen Karriere beschäftigt, um die Fortschritte seines Sprösslings selbst zu überwachen, aber er hat einen genialen Einfall, um dessen Übungsdisziplin zu stärken: wenn er übt, bekommt er ein vierteiliges Drumset. Also verdient sich Keith durch fleissiges Üben die Instrumente seines Schlagzeugs selber.

Als er sein komplettes Set zusammen hat, ist er auch schon weit genug, um die ersten professionellen Erfahrungen zu sammeln. Er spielte überall, sei es auf Bar Mizwahs-Feiern oder auf Hochzeiten. Und das ist natürlich eine gute Schule vor allem für Vielseitigkeit eines Schlagzeugers, denn bei Hochzeiten und ähnlichen Familienfesten, wenn vom Enkel bis zur Oma alle Generationen zusammen feiern, wird so ziemlich jede Art von Musik verlangt.

Jeder Jazzfan, der etwas auf seine Bildung hält, weiß, wo die wilden Tonfolgen des Bebop zuerst das Licht der Welt erblickt haben: In Minton’s Playhouse. In dem legendären Club in Harlem kamen Anfang der vierziger Jahre solche Pioniere wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Kenny Clarke und Thelonious Monk allabendlich zusammen, um in endlosen Jamsessions nach frischen, nicht abgenutzten Melodien, Harmonien und Rhythmen zu suchen. Ausgerechnet in dieser mythischen Geburtstätte des Bebop lernt 16 Jahre später ein junger Schlagzeuger namens Keith Copeland, wie man das macht: Bebop spielen, auch mit Charles McPherson.

Dann hat Keith Copeland aber erstmal weniger Glück. Mit 17 Jahren verpflichtet er sich bei der Air Force, in der Hoffnung, dort sein Interesse an Luftfahrt mit der Musik verbinden zu können. Aber er landet in der Abteilung für Telekommunikation und Kryptographie, wird zunächst nach Grönland versetzt und später ins deutsche Ramstein. Was macht ein jazzversessener GI, den es von New York in die pfälzische Provinz verschlagen hat? Er fährt ins hessische Frankfurt, das damals, Anfang der sechziger Jahre, seine Hochzeit als Jazzhauptstadt Deutschlands erlebt. Keith ist ein häufiger Gast im Frankfurter Jazzkeller und begeistert sich für die Szene um Albert Mangelsdorff.

Nach vier Jahren bei der Air Force nutzt Copeland den sogenannten GI Bill, einen noch aus dem zweiten Weltkrieg stammenden Regierungserlass, der Soldaten nach Ableistung ihrer Wehrpflicht einen Studienplatz verspricht. Am Bostoner Berklee-College of Music holt sich Keith Copeland seine formale Ausbildung und den letzten Schliff als Jazzschlagzeuger. Seine Brötchen verdient er aber mit einer ganz anderen Musik, nämlich mit Funk und Pop. Und das macht er so gut, dass er schließlich sogar in der Band von Motown-Star Steve Wonder landet.

Ein Ausflug in die schillernde Welt des Popbusiness bleibt nur eine Episode im Leben des Drummers. Sein Herz schlägt vor allem für den Jazz. Neben seinen Engagements für big names wie Johnny Griffin, George Russell, Milt Jackson oder Hank Jones betätigt sich Copeland pädagogisch in verschiedenen Colleges und Universitäten. Auch nach Deutschland zieht es Keith Copeland schließlich wegen des Unterrichtens. Anfang der Neunziger erhält er einen Ruf an die Kölner Musikhochschule und bald darauf auch an die Mannheimer Hochschule für Musik. Für zweieinhalb Jahre ist Keith Copeland gleichzeitig Schlagzeugprofessor in Köln und in Mannheim.

Seinen Wohnsitz hat er in der Mitte zwischen den beiden Städten, nämlich in Frankfurt. Er mag das weltoffene Klima der Mainmetropole und schätzt ihre Jazzszene seit seiner Zeit als GI in den sechziger Jahren, als es ihn regelmäßig von seiner Ramsteiner Kaserne in den Frankfurter Jazzkeller zog. Heute wohnt Keith Copeland noch immer in der Bankenstadt, obwohl er weniger unterrichtet und wieder verstärkt als Musiker unterwegs ist, und das praktisch weltweit. Der Flughafen ist ja nah, und mit ihm zum Beispiel die in Dublin lebenden Musiker Tommy Halferty und Ronan Guilfoyle, Keith Copelands Irish Connection, mit der er bereits drei CDs aufgenommen hat.

Hardbop, Mainstream und verwandte Bereiche sind heute Keith Copelands Hauptbetätigungsfeld. Wenn ein amerikanischer Starsolist aus diesen Stilen auf Deutschlandtournee geht, seien es die verstorbene Swinglegende Harry „Sweets“ Edison, der Organist Charlie Wood oder der Saxophonvirtuose Ernie Watts, dann sitzt häufig Copeland auf dem Schlagzeugstuhl. Trotzdem findet er zwischendurch Zeit, auch mit Frankfurter Musikern zu spielen, so etwa in einer Aufnahme des hr-Big Band-Posaunisten Peter Feil und dessen Septett.

(Jürgen Schwab)