Jatm Presse

''Road to Eberbach''
„Jazz Against The Machine" transformieren alternative Rocksounds in Jazz (von Hans Kraus)

Neustadt: Diesmal hat das Wetter endlich gehalten, und so konnte das vom „Jazzclub Neustadt" am Freitagabend im „Steinhäuser Hof" veranstaltete Konzert der Gruppe „Jazz Against The Machine" planmäßig im Innenhof des Hotels „open air" stattfinden.

Es war damit erst die zweite Show in diesem Sommer, die der Jazzclub unter freiem Himmel durchführen konnte. Die Schönwetterlage schlug sich dann auch gleich positiv auf die Besucherzahl nieder - alle Plätze im Freien waren restlos belegt, und einige Jazzfreunde, die den Auftritt des als sehr rockig experimentell vorangekündigten Quartetts nicht versäumen wollten, mussten es sich deshalb sogar im Restaurant gemütlich machen und das Treiben von dort aus beobachten. „Jazz Against The Machine", bestehend aus Florian Wehse (Trompete, Flügelhorn, Synthesizer), Claus Kiesselbach (Vibraphon), Philipp Rehm (E-Bass) und Philipp Rittmansperger (Schlagzeug), leiten ihren Namen natürlich von der amerikanischen Crossover-Legende „Rage Against The Machine" ab, die in 1990er Jahren ihre größten Erfolge feierte, als die vier Musiker ihre Jugend damit verbrachten, Meister auf ihren Instrumenten zu werden. Die Thematik der damaligen Zeit im Kontext zum aktuellen Jazzleben von heute auf die Bühne zu bringen ist der Anspruch, den die Musiker an sich selbst stellen. Daraus ergibt sich konsequenterweise auch das Außergewöhnliche an dieser Band - ihre stets deutlich spürbare Nähe zur Rockmusik.

Besonders das Rhythmusgespann Rittmansperger/Rehm lässt keine Möglichkeit aus, ordentlich zu grooven und für mitreißende Spannung zu sorgen. Darüber legt Bandgründer Florian Wehse coole Flügelhorn- und Trompetenklänge, die oftmals Miles Davis-Einflüsse aufweisen, oder er improvisiert auf dem Synthesizer, während Vibraphonist Kiesselbach sphärische Klänge hinzufügt, die sich der derben Rohheit der Kompositionen mit sanfter Gewalt zu widersetzen scheinen.

So bunt zusammengewürfelt wie die Bandmitglieder selbst, die aus Berlin (Wehse), Köln (Kiesselbach), Darmstadt (Rittmansperger), und Mannheim (Rehm) stammen, und so ungewöhnlich wie ihre Besetzung mit Vibraphon, Trompete und Synthesizer einerseits, und den klassischen Rockinstrumenten E-Bass und Schlagzeug andererseits, erscheint, so wahllos zusammengestellt wirkt auch ihre Songauswahl. Da gibt es eigenwillige Coverversionen bekannter Songs von Grunge-, Metal-, oder Alternative-Rockgrößen wie Soundgarden, Nirvana, Smashing Pumpkins gleichberechtigt neben selbstgeschriebenen Stücken mit seltsam klingenden Namen wie „Road To Eberbach" zu hören. Genauer hingehört lassen die vermeintlich so unterschiedlichen Titel aber doch Gemeinsamkeiten erkennen, an denen sich „Jazz Against The Machine" orientieren und die sich wie ein roter Faden durch ihre Show ziehen: All die genannten Stücke sind nämlich echte „Songs", die auch bei völliger Verfremdung nicht an Qualität einbüßen und deren teils sehr komplexe Akkordfolgen immer noch genügend Improvisationsfreiheit und Raum für kreative Alleingänge lassen. Die Virtuosität, die die vier Individualisten in Neustadt dabei an den Tag legten, ihre Spielfreude und ihre sympathische Art, die Nähe zum Publikum zu suchen, überzeugten restlos, und erst nachdem ihnen nach mehreren Zugaben das Repertoire ausging, durften sie unter dem nicht enden wollendem Applaus ihrer Fans von der Bühne gehen.